Transformation – Steuerung, Kultur, Struktur

Tagung der GSCO vom 6. März 2026 in Pullach

Etwa ein halbes Jahr nach Vereinsgründung treffen sich über ein Drittel der mittlerweile ca. 60 Vereinsmitglieder – Berater, Coaches, Supervisoren – zu einer Tagung in Pullach, um sich gemeinsam weiterzubilden.

Da Organisationsberatung ein neuer Schwerpunkt der Beratungsarbeit der GSCO sein wird, geht es auch um die eigene Transformation von einer Interessengruppe bayerischer Supervisor:innen zu einem Dienstleister für Kirche und Diakonie in Deutschland.

Als Referent begleitete Steffen Bauer, der seit vielen Jahren die Entwicklungen in den Landeskirchen der EKD beobachtet, vergleicht und diese Erkenntnisse veröffentlicht sowie Beratung in kirchenleitenden Organen, Synoden und Einrichtungen anbietet.

Ich möchte Sie nun in unsere Denkprozesse, Erkenntnisse und Aha-Erlebnisse mit hineinnehmen: 

Transformation bedeutet, eigene Stärken und Schwächen anzusehen und Visionen zu entwickeln und analog zum Transformator in der Elektrik aus einer Normalspannung Hoch-Spannendes zu machen.

Richten wir einen Blick auf die momentane kirchliche und gesellschaftliche Realität. Die Einnahmen gehen zurück. Kirchensteuerzahler werden immer weniger, haben weniger Geld zur Verfügung und treten aus unterschiedlichen Gründen aus der Kirche aus. In Bayern können beispielsweise immer weniger kirchliche Gebäude bezuschusst werden. Einige können durch Nutzungsänderung oder lokale Spenden weiter genutzt werden, andere gehen der kirchlichen Arbeit verloren.

Und die Politik? Sie setzt in ihren Haushalten neue Prioritäten, z.B. Aufrüstung, Ausbessern der Infrastruktur, Industrieförderung, Abwehr von externen Angriffen wie Zölle, – und glaubt bei den Schwachen in der Gesellschaft sparen zu können. Die Bildungs- und Beratungseinrichtungen wiederum müssen teilweise ihre Mitarbeitenden entlassen, weil sie diese nicht mehr finanzieren können und Zuschüsse wegfallen. Immer mehr Menschen werden ihrem Schicksal überlassen, weil Hilfs- und Beratungseinrichtungen schließen müssen.


Transformation ist nötig

Es ist keine Frage, Transformation ist nötig, jedoch geht es nicht mehr um das „ob“, sondern um das „wie“. Dabei sind „Haltungen wichtiger als Fähigkeiten“ (Zitat nach Hartmut Kasten, Entwicklungspsychologe und Buchautor).

Es gibt zwei Arten von Transformation: „Transformation by Desaster“ und „Transformation by Design“.


Transformation
by Desaster

Nichtstun führt zum Desaster. Abwarten führt zum Desaster. Beispiel: Entscheidungen abwälzen auf Synoden, auf Ehrenamtliche, auf wenige experimentelle Projekte führt ebenfalls zum Desaster. Folge: Es muss möglichst sofort was unternommen werden.

„Nur optimieren“ führt ebenfalls zum Desaster. Beispiel: „Was würde es unserer Kirche bringen, wenn alle Oberkirchenräte in Deutschland eingespart und alle Landeskirchenämter aufgelöst würden?“

Eine übliche Reaktion der fehlenden Transformation ist auch der sogenannte Totstellreflex: „Im Sonntagsgottesdienst sind doch nur noch alte Leute, das deprimiert mich, da gehe ich nicht mehr hin“. Oder: „Wenn die Kirchenaustritte so überhandnehmen, kann man eh nichts machen“. Diese Einstellungen helfen in der Tat nicht weiter, war allen Teilnehmenden klar.


Transformation
by Design

Bei „Transformation by Design“ entsteht dagegen ein „Ruck“. Es ist Lust da, auf Veränderung.

Die Menschen wollen etwas verändern.

Für den Referenten Steffen Bauer ist es aber auch verständlich, wenn man gerade keine Lust auf Veränderungsprozesse hat oder sie einem suspekt sind. Denn Struktur- und Organisationsentwicklung erfordert auch Trauerarbeit. Man muss erst alte Verhaltensmuster, Verfahren und Gewohnheiten verabschieden, um Neues anzugehen. Andernfalls werden Veränderungen ignoriert, schlimmstenfalls sabotiert.

„Entwicklung passiert von unten“, ist Steffen Bauer überzeugt. Kirchenmitglieder wissen beispielsweise selbst am besten, was sie brauchen. „Man muss sie nur fragen und machen lassen“. Das müssten Hauptamtliche in der Kirche neu lernen.

Die Aktion „einfach heiraten“ ist so ein gelungenes Beispiel. Sie trifft offenbar den Bedarf, macht allen Beteiligten Lust, findet ungeahnten Zulauf und hat eine nachhaltige Wirkung.

Die Denkanstöße zu Transformation haben die Teilnehmenden der Tagung beflügelt und sollen künftig in die Arbeit der GSCO einfließen.

Günter Höcht
Supervisor und GSCO-Mitglied

Link zum Referenten Steffen Bauer:
https://www.kirchedermenschen.de/post/landeskirchen-unterwegs

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